Fernunterricht hat eine lange Tradition. Schon lange bevor es das Internet gab, erwarben Menschen in Fernkursen berufliches Wissen oder Allgemeinbildung. Sie machten sogar staatlich anerkannte Abschlüsse wie beispielsweise den Meister oder die Fachhochschulreife sowie Universitätsdiplome.
Das Internet eröffnete dem Fernunterricht dann ganz neue Möglichkeiten. Das gilt auch – und gerade – für das Erlernen von Fremdsprachen.
Vielen Dank für diesen Gastbeitrag von Christian Arno (Geschäftsführer Übersetzungsbüro Lingo24).
Früher stand dem Fernunterricht im Prinzip lediglich ein einziges Medium zur Verfügung: das bedruckte bzw. beschriebene Papier. Es gab Lehrbriefe und eventuell auch Lehrbücher zum eigenständigen Erarbeiten von Stoff, allenfalls Audio- und später Videokassetten. Auch die Interaktion zwischen Lehrer und Schüler beschränkte sich im Wesentlichen auf das Schriftliche. Man löste die Übungsaufgaben, sandte sie ein und bekam eine schriftliche Beurteilung in Briefform.
Fernunterricht, Computer und das Internet
Mit dem Auftauchen von multimediafähigen Computern in Privathaushalten und erst recht mit dem Internet taten sich für das Fernlernen ungeahnte neue Möglichkeiten auf. Schon mit CD-ROMs konnte man den Schülern neben Texten und Bildern auch audiovisuelle Inhalte und interaktive Lernprogramme bieten, ohne dass dies übermäßig teuer zu sein brauchte.
Mit dem Internet schließlich fielen auch noch das Aufbringen von Inhalten auf Datenträger und der Postversand fort, was nicht nur Kosten, sondern auch Zeit spart: Per Download erhält man alles, was man zum Lernen braucht, jederzeit und praktisch ohne Zeitverzögerung. Postlaufzeiten entfallen ebenso wie Portokosten.
Auch der Dialog zwischen Fernlehrer und Fernschüler wird durch das Internet wesentlich enger: Die einfachste Möglichkeit dafür ist die E-Mail. Auf diesem Wege können sich Schüler und Lehrer nicht nur austauschen, es können sowohl die Lernmaterialien als auch bearbeitete Übungsaufgaben und Korrekturen als Anhänge verschickt werden.
Das ist aber lange noch nicht alles: Mit modernen Videokonferenz-Tools kann man Unterrichte veranstalten, die fast so gut sind wie der so genannte Kontaktunterricht, der herkömmliche Unterricht in Klassenzimmern und Schulungsräumen. Gute Schulungs-Tools ermöglichen dabei den Einsatz von Präsentationen per Powerpoint oder dergleichen genauso wie das Einspielen von Lehrfilmen.
Über Videokonferenzen, notfalls auch über Tastaturchat und/oder Foren können sich aber auch die Lehrgangsteilnehmer untereinander austauschen, Lerngruppen bilden und sich gegenseitig helfen. Schließlich kann man sich über das Internet aber auch zusätzliche Informationen verschaffen, durch Online-Recherche den Lehrstoff vertiefen oder sich Informationen zum Lösen von Aufgaben besorgen, was heute aber auch im herkömmlichen Unterricht gemacht wird.
Online-Lernen und Sprachen
Sprachen waren schon immer etwas, das sich besonders gut auch für den Fernunterricht eignet, da es dabei um etwas geht, was man mit dem Kopf macht. Handwerkliche Fähigkeiten lassen sich über Medien zwar schwer vermitteln, wohl aber Dinge, die man lediglich zu verstehen und sich zu merken braucht. Genau darum geht es aber bei Sprachen.
Übungstexte, Grammatikregeln und Vorkabeln stellen beim Fernunterricht in Fremdsprachen kein Problem dar, sie lassen sich ja problemlos in Bücher und Lehrbriefe verpacken. Die Aussprache vermittelte man früher mit Tonbandkasseten; mit MP3s ist es heute noch einfacher.
Auch der Dialog zwischen Schüler und Lehrer lässt sich beim Sprachen lernen über das Netz leicht herstellen. Im Life-Videounterricht kann der Lehrer die richtige Aussprache nicht nur vormachen, sondern auch bei den Schülern korrigieren. Im Gegensatz zum herkömmlichen Unterricht müssen die anderen Schüler dann noch nicht einmal unbedingt mithören, wenn jemand beim ersten Versuch „un pompe pour gonfler le matelas pneumatique“ oder „psychiatrist“ auszusprechen, etwas gehemmt ist.
Wenn die Schüler dann erst einmal die Hemmungen beim Sprechen verloren haben, kann man sich im Sprachchat auch sehr schön in der neuen Sprache unterhalten. Dass das Netz auch jede Menge Möglichkeiten bietet, Materialien für zusätzliche Übungen – Texte, Comics, Lieder, Filme in der jeweiligen Sprache – zu finden, braucht schon gar nicht mehr erwähnt werden.
Die Problematik beim Fernunterricht und Online-Lernen
Online-Unterricht kann wie jeder Fernunterricht in vielen Fällen im Tempo sehr individuell angepasst werden. Das ist ein großer Vorteil, da es so möglich ist, den Lernfortschritt den eigenen zeitlichen Möglichkeiten anzupassen.
Es kann aber auch zum Nachteil werden, da es leicht zum Bummeln verleitet. Es gehört eine Menge Willen dazu, sein Lernpensum exakt einzuhalten, wenn kein Lehrer da ist, der einen ein wenig auf Trab bringt. Dazu kommt, dass beim Lernen zuhause eine Menge Ablenkung da ist: Familie, der Fernseher läuft, andere wollen etwas von einem… Wenn man kein Arbeitszimmer hat, sollte man sich daher für die regelmäßigen Arbeitszeiten einen Raum „reservieren“ – und wenn es nur die Küche ist.
Eine zusätzliche Möglichkeit ist, einen Kurs zu wählen, bei dem regelmäßige Life-Online-Unterrichtseinheiten angeboten werden. Dann ist man zeitlich zwar ähnlich angebunden wie z.B. bei einem VHS-Kurs, hat aber immer noch den Vorteil, dass man das Haus nicht zu verlassen braucht und damit Wegezeiten sowie Fahrtkosten einspart. Und man hat zusätzlich noch fast alle Vorteile, die ein Kurs mit Kontaktunterricht bietet.
Über den Autor: Christian Arno ist Gründer und Geschäftsführer des internationalen Übersetzungsbüro Lingo24, der auf drei Kontinenten tätig ist. Folge Lingo24 auf Twitter @l24de.
Tags: Fernunterricht, Fremdsprachen, online lernen


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